07.11.2008, 2. Tag Freiburger Konferenz

November 7, 2008

Impulsvortrag von Botschafter Steffen Smidt, Beauftragter für Klimaschutzfragen, Dänemark, auch Hauptkoordinator der Weltklimakonferenz.

Klimawandel ist eine Bedrohung. Frieden, Umweltschutz und Energie stehen in direkter Abhängigkeit. Wenn die Ökosysteme erschöpft sind (Klimawandel wie andere Faktoren), wird die Natur, mit den bekannten Folgen, zurückschlagen.
Forderungen für ein globales Klimaabkommen (Umwelt- und Außenpolitik):
1. politische und diplomatische Möglichkeiten besser nutzen.
2. Klimapolitik als Entwicklungsherausforderung begreifen.
3. Sicherheitsdimension einbeziehen (bestehende Konflikte werden verschärft, neue ausgelöst) und als Chance begreifen.
4. Energiesicherheit für alle Länder schaffen und von fossilen Ressourcen abkoppeln.
5. Erneuerbare, saubere Energien fördern und Handel damit ausbauen: eine neue grüne Industrielle Dimension.
(Haupt-) Akteure sind EU + andere nachziehen: USA, China, Indien, …
Vereinte Nationen müssen in 2009 Ziel(e) formulieren, auch Finanzsysteme miteinbeziehen.
Offene Fragestellungen:
– Betrifft es nur die Sicherheit in Asien, Afrika etc., wie steht es mit Europa?
– Welches multilaterale Werk ist erforderlich.
Jetzt ginge es nicht um die Verteidigung, sondern um die Veränderung unseres Lebens!

Diskussion und Fragen:
Dänemark hat mit / ab 1. Ölkrise reagiert, weil damals noch hohe Abhängigkeit herrschte.
Energie wurde besteuert, eingespart, und neue Technologien entwickelt.
Je nach Szenario wird Dänemark von steigendem Meeresspiegel betroffen sein.
Dänisches Modell: Wirtschaftswachstum ist ohne steigenden Energieverbrauch machbar, doch wie sollen das Entwicklungs- und Schwellenländer bewältigen?
Plädoyer für erneuerbare Energien, dass Chancen und nicht Lasten verteilt werden.
Es gibt Möglichkeiten, wenn sich nicht der konservative Reflex behauptet.

Panel 3: Technologische Antworten auf den Klimawandel
„was möglich ist“

Kernaussagen:
Eicke Weber, Leiter Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg.
Der IPCC-Bericht sei möglicherweise nur unterste Grenze. Evtl. brauchen wir ein Klima-9/11 zum Aufwachen.
1. Auf utopische Lösungen (Kernfusion ohne Radioaktivität, oder CO2-Speicherung etc.) können wir nicht warten.
2. Also Energieeffizienz, Altbausanierung, Verkehrslösungen (z.B. E-Autos), …: Alle erneuerbaren Energien, v.a. Sonnenkraft und Photovoltaik.
Die Durch- und Umsetzung brauche das richtige politische Rahmenwerk – das sollte in Kopenhagen zentrale Wichtigkeit bekommen. Marktmechanismen, finanzielle Anreize, CO2-Besteuerung.
Technologisch sei die Branche in der Lage, 2020 bis zu 12% aus Photovoltaik zu erreichen.

Jürgen Hogrefe, EnBW-Generalbevollmächtigter für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Während er als Journalist „aufklären“ wollte, könne er nun (auch über eine persönliche Entscheidungsfindung) „etwas tun“, gestalten.
Erneuerbaren Energien gehöre die Zukunft.
Zu berücksichtigen sei neben der Technologieentwicklung auch die demographische (z.B. in China die Kohlenutzung).
Zum Vorredner („Wasser in den Wein“):
Auch die Sonne habe ihren Preis. Zudem seien sehr ambitionierte Ziele formuliert.
Emissionsabgaben ja, aber nicht bloß exportieren, weil volkswirtschaftlicher Nutzen verloren ginge, und damit Arbeitslosigkeit quasi importiert.
Zivilisatorische mit der Energie-Entwicklung koppeln und Bewusstsein schaffen (Energie-Sammeln ähnlich Müll-Sammeln).
Weitere Themen sind auch Wind (wie Offshore realisieren), Solarenergie und … Kernkraft (verlängern).

Ignacio Campino, Vorstandsbeauftragter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Deutsche Telekom.
Die Kommunikations- und Informationstechnologie ist Teil der Lösung. Nach Smart 2020 können bis dahin 15% der globalen Emissionen eingespart werden, durch
– Dematerialisierung (moderne Medien)
– Gebäudemanagement
– Intelligente Stromnetze und erneuerbare Energien
– Bewegung / Transporte: Vernetzung durch IT ähnlich einem Nervensystem.
Gleichzeitig Teil des Problems, weil Informationsfluss Energie verbraucht. Lösung liegt in effizienten und intelligenten Geräten. Unternehmen müssen für deren Umsetzung Verantwortung übernehmen!

Dipal Barua, Gründungsdirektor von Grameen Shakti, Bangladesch.
Stellt das Projekt vor, in dem – ohne der Umwelt zu schaden – Entwicklungen eingeleitet und verbreitet werden.
Durch Verbessern der Lebensbedingungen auch unternehmerische Möglichkeiten schaffen.
Enorme Verbreitung auf allen Ebenen: Einsatz erneuerbarer Energien, Solarsysteme, Aus- und Fortbildung, Mikrokredite, raucharme effiziente Öfen, Biogasnutzung.
„Grameen Shakti erreicht das Herz und beleuchtet das Leben“.
Bis 2015 sollen 50% der Einwohner erreicht sein, Umwelt + Gesellschaft + Wirtschaft profitieren.

Diskussion und Fragen:
Zeichen der Hoffnung aus Bangladesch, trotzdem muss der Wissenstransfers für erneuerbare Energien beschleunigt werden.
Entwicklungsländer können viel tun, dürfen aber nicht den Anschluss verlieren.
„Wir müssen als entwickelte Länder dahin kommen, wo die Entwicklungsländer sind“ (Schadstoffverbrauch pro Person).
Besteuerung der Finanzsysteme.

Panel 4: Kommunen und Klimawandel – Verantwortung und Chance
„lokal handeln“

Kernaussagen:
Per Andersen, Vorstand ICLEI, OB Kolding, Dänemark.
ICLEI gegründet 1990, 1000 Kommunen in 61 Ländern: „Gemeinden geben sich gegenseitig gute Beispiele, und das umsonst“. Local Agenda 21.
Es gehe um das Planen mit den Bürgern, nach bekannten Prozessmanagementkriterien (Plan Do Check Act). Beteiligte Städte hätten ehrgeizige, zum Teil bahnbrechende Ziele.
Und Dänemark erzeugt 15% Energie aus Windkraft – geht doch.
1. Nationale Regierungen können ihre Ziele nicht ohne die lokalen Gemeinden umsetzen.
2. Angehen: 50% der Bevölkerung in Städten verbrauchen 75% der Ressourcen.
Ihn motiviert veränderte Kommunikation, z.B.: Energie sparen schafft die nächsten Investitionen.

Dr. Banire, Beauftragter für Umwelt des Bundesstaates Lagos, Nigeria.
Die Konferenz sei schon jetzt ein Erfolg, obwohl viele und nicht vergleichbare Herausforderungen anstehen. Vom Bewusst-Sein zur Linderung und Umsetzung.
Will Ideen für Mitigation mitnehmen, Voraussetzung sei eine Infrastruktur. Armut sei hinderlich, Technologie nicht finanzierbar. Aufruf zu Zusammenarbeit und Unterstützung.

Prof. Dr. Zheng Shiling, Institut für Architektur und Stadtplanung Shanghai, VR China.
China repräsentiere besondere Veränderungen, was Erwärmung und Meeresspiegelerhöhung betreffe.
Verstädterung nimmt stark zu (in 2010 vermutlich 50% in Städten), das ist große Herausforderung. Peking wächst um 3500 m² in der Stunde, der Energieverbrauch steigt stark an.
Die Gletscher sind 2050 vermutlich zu 1/3 weg, auch Wasserverschmutzung und Verwüstung als sichtbare Zeichen.
Positive Signale u.a.: Seit 2005 gibt es einen Bewertungsstandard für grüne Gebäude; Umweltinsel Dongtan; Bedeutung von Feuchtgebieten wird erkannt.
Es brauche
1. Regierungsmaßnahmen.
2. allgemeine Aufklärung über ökologische Belange.
3. Geld, aber auch eine ethische Einstellung.
Die Vorbereitung der EXPO schiebe Entwicklungen an, doch gibt es noch sehr große Unterschiede. Der grüne Gedanke ist behindert durch das „mit der eigenen Situation klar kommen“.

Dr. Dieter Salomon, Oberbürgermeister Freiburg.
Die Welt ist nicht mehr getrennt, sondern vernetzt. Das Bewusstsein ändere sich, China sei wichtig für eine gemeinsame Kraft und Hoffnung.
Freiburg verbraucht 200 Mio. Tonnen (ca 10 / Kopf), eine 40%iger Reduzierung ist das ehrgeizige Ziel.
Obwohl Vorreiterstadt: Beispielsweise 3% der Gebäude seien „gelöst“, fehlen und bleiben noch 97% als Teil des Problems.

Diskussion und Fragen:

Nicht nur Augen öffnen, sondern „open mind“.
Wie können Entwicklungsländer (Bsp. Ghana) mitwirken, wenn Thema erst vor 2 bis 3 Jahren aufkam. Das ist nicht die gleiche Ebene. Wie in sieben Jahren die Lücke schließen?
Wir reiche Länder müssen v.a. bewältigen!
Olympiade: Grüne Spiele, gleichzeitig riesige Verschwendung. Warum alle 4 Jahre neu bauen?
Wie Annäherung statt wir- und ihr- Denken? Gegenseitig lernen, annähern, kulturell verstehen.
Die bestehenden Ideen auch sehen, die aus Leidensdruck, aber auch Bewusstsein schon entstanden sind.
„Wie über Klimawandel denken, wenn es um das tägliche nackte Überleben geht?“
Verantwortung von Regierung und anderen Ländern, auch: Der Gedanke der Nachhaltigkeit muss schon heute umgesetzt werden.
Weitere Ideen: Besinnung auf traditionelle Werte der Mäßigung, das Nutzen nachhaltiger Energiequellen über Grenzen hinaus (auch Sahara als Solarquelle) und die Mitnahme der magischen Momente dieser Konferenz.

Schlussworte von Staatsminister Erler:
1. Gemeinsame Risikoanalyse der Gefährdungen (Wasser, Dürren, Meeresspiegel, Unwetter).
2. Ist Situation aus Menschenhand, nicht Schicksal. Also muss Menschenhand und Gesellschaft Lösungen finden und umsetzen.
3. Die Technologie ist vorhanden und ein Optimismus der Entwicklung und des Transfers. Idee von Energieentwicklungshilfe, das Beispiel Bangladesch macht Mut.
4. Kommunen als Austausch von Erfahrung, Ideen und Kreativität.
5. Wie kommen wir zu einem Durchbruch in den Krisen? – Wir brauchen die gleiche Dimension des Handelns (wie z.B. in der Finanzkrise) und eine pro-aktive Klimapolitik mit allen global playern.

Fussnoten:
o Skripts können demnächst auf http://www.freiburg-konferenz.de eingesehen werden.
o Konferenz verursachte 148t CO2, wird durch Investition in Windkraftanlage Indien ausgeglichen.
o Übergabe € 35ooo € Benefizkonzert an seedinit.org, für Projekt in Nicaragua.

Eigener kurzer Schlusskommentar:
Wenn wir noch 7 Jahre Zeit haben oder hätten, das Ruder herum zu reißen, muss auf allen Ebenen und in allen Regionen auch gerudert, also gehandelt werden.
Jetzt.
Individuell, politisch, initiativ, unternehmerisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich … .

Den kompletten Bericht könden Sie hier abrufen.

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„Green New Deal“

November 7, 2008

Berliner Erklärung zu „New Deal for Sustainability. Im Rahmen des 2. Social Vision Summit haben Franz Alt, Peter Spiegel und Christian Neugebauer die Berliner Erklärung für einen New Deal for Sustainability initiiert. Muhammad Yunus unterstützt die Kernforderung. Glocalist.

Neue UNDP-Dokumentation zu Klimawandel in Entwicklungsländern online„. In Zusammenarbeit mit der School of Geography and Environment der Oxford University stehen 52 Klima-Länderprofile mit Informationsdaten zur Verfügung. epo.de (entwicklungspolitik online)


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